Jinwali (geschrieben auch Zhinvali)

Fast jeder Georgien-Besucher kommt am Jinwali Stausee vorbei; die meisten legen einen kurzen Stopp ein, genießen den tollen Ausblick, schießen ein paar Fotos und bekommen auch eine kurze Info über den Stausee und vielleicht noch über das Wasserkraftwerk. Man erwähnt auch nebenbei, dass es hier einmal ein paar Dörfer gab, aber die wenigsten haben jemals etwas über die versunkene Stadt Jinwali, prächtig mit ihren Burgen, Schlössern, Straßen, Palästen und ihren reichen Bewohnern gehört.

Hier wollen wir Ihnen In diesem Blog, wird das umgekehrt gemacht, Sie bekommen eine ausführliche Info über Jinwali und am Ende kurze Info über den Stausee und sein Wasserkraftwerk.

Geschichte von Jinwali

Ein kleiner Blick auf die Karte genügt, um die strategisch wichtige Lage von Jinwali zu verstehen. Hier trafen sich die Wege aus dem Nordkaukasus, Ost- und Westgeorgien, Samachablo, (heute Süd-Ossetien) und aus der Hauptstadt Tbilisi.

Über mehrere Jahrhunderte, als die Hauptstadt Georgiens, Tbilisi, unter fremder Besatzung stand, sind die Menschen über Jinwali von West nach Ost und umgekehrt gereist.

Jinwali war eine wichtige Handelsstadt und es gab hier neben zahlreichen Schlössern und Wehrtürmen auch viele handwerkliche Betriebe. Die Bewohner waren sehr wohlhabend und es durfte sich nicht jeder in der Stadt niederlassen. Neue Siedler durften nur außerhalb der Stadt leben. Es war auch nicht einfach, in die Stadt zu gelangen, denn sie hatte die besondere Aufgabe, die „die Tore des Kaukasus“ zu kontrollieren.

Vom Wohlstand der Bewohner zeugen auch die archäologischen Ausgrabungen. Dabei wurden mehrere Gräber mit zahlreichem Schmuck aus Silber und Gold entdeckt.

Der Name Jinwali taucht das erste Mal zu Zeiten von König Dawit dem Erbauer im 12. Jhd. in der georgischen Geschichtsschreibung auf. Später hat seine Urenkeltochter, Königin Tamara, das Gebiet von Jinwari ihrem treuen Fürsten Chiaber unterstellt. Als die Familiengruft von Chiaber geöffnet wurde, hat man dort viele interessante Funde sicherstellen können, darunter auch siebzehn Münzen von Königin Tamara. Das ist umso bemerkenswerter, als dass bis zu diesem Zeitpunkt nur zwei Münzen der Königin gefunden wurden, eine war im Museum von Petersburg und eine im Museum von London ausgestellt.

Ausgrabungen in der ehemaligen Handwerker-Siedlung von Jinwali brachten Werkzeuge aus dem 1. Jhd. für die Herstellung von einfachem und Farbglas zutage.  In Jinwali wurde auch ein Goldring aus dem 6.Jhd. mit der Abbildung von Jesus und der Gottesmutter Maria gefunden – bis jetzt das einzige vergleichbare Exemplar im Kaukasus.

In der Stadt war der Platz nicht nur für die Lebenden, sondern auch für Verstorbene streng verteilt. Es gab einen Friedhof für Adlige, für Reiche, die nicht adliger Abstammung waren und für einfache Leute.

Das Stadttor und die Verwüstung der Stadt

Die Stadt hatte ein großes Eingangstor an der Brücke über den Fluss Aragwi. Die Brücke wurde abends mit Seilen gehoben, damit niemand unerwünscht in die Stadt gelangen konnte. Leider konnte die Stadt nicht jeder Invasion ausreichend Widerstand leisten. Über die Brücke und durch das Tor sind auch die Mongolen im 13. Jhd. in die Stadt gelangt und haben sie völlig verwüstet. Die Stadt wurde im 14. Jhd. von König Giorgi V. wiederaufgebaut, aber ihre glanzvollen Tage waren gezählt: im gleichen Jahrhundert hat der zentralasiatische Eroberer Timur Lenk Jinwali nochmals zerstört.  

Zu wenig Zeit für archäologische Arbeiten

Während der Grabungsarbeiten zu Sowjetzeiten wurde das Gebiet von Jinwali in hundert verschiedene archäologische Zonen aufgeteilt. Nur eine Zone konnte erforscht werden, wobei allein hier mehr als 1.000 Exponate aus der Zeit vom 8. bis zum 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gefunden wurden. Wären alle hundert Zonen erkundet worden, hätte man wohlmöglich über eine Million Exponate aus unterschiedlichen Zeiten sichern können. Leider gab man den Historikern und Archäologen damals zu wenig Zeit für ihre Arbeit. Bald nach der Erforschung der ersten Zone wurde die Ortschaft geflutet und unzählige wertvolle Exponate, sowie zahlreiche Kulturdenkmäler, Kirchen und Burgen versanken im Wasser. 

Stausee und Wasserkraftwerk vom Jinwali

Im 1971 hat man begonnen, auf dem Territorium von Jinwali ein Wasserkraftwerk zu bauen. Die Stelle war geographisch gut dafür geeignet, denn hier sammeln sich Regenwasser und Schmelzwasser und die beiden Flüsse Pschawi Aragwi und Aragwi fließen hier zusammen. (Die Namen sind ähnlich, aber das sind unterschiedliche Flüsse)

Es wurde entschieden, dass die Ortschaft geflutet und Bewohner umgesiedelt werden mussten. Es gab mehrere kleine und größere Proteste, aber die einfachen Bürger waren gegen die autoritäre Regierung machtlos.   

1985 wurde die historische Ortschaft Jinwali samt der umliegenden Siedlungen geflutet, die Bewohner wurden in die Nachbarortschaften umgesiedelt.

Stausee

Der Stausee hat eine Oberfläche von 11,5 m² und fasst 520 Mio. m³ Wasser. Die maximale Tiefe des Sees beträgt 75 Meter.

Gestaut werden die Flüsse Pschawi-Aragwi und Aragwi.

Das Wasserkraftwerk  

Das Wasser des Stausees fließt durch eine fünf Meter Breite Leitung über 160 Meter Fallhöhe auf die Wasserturbinen hinunter, welche elektrische Generatoren antreiben, die die mechanische Energie in elektrische Energie umwandeln. Die Leistung des Wasserkraftwerkes von Jinwali beträgt 130.000 kW.

Das Wasser vom Stausee als Trinkwasser für Tbilisi

Nach der Stromerzeugung fließt ein Teil des Wassers als Fluss Aragwi weiter. Ein anderer Teil des Wassers wird durch einen sechs Meter breiten und acht Kilometer langen Tunnel in den Bodorna Stausee umgeleitet. Der Bodorna Stausee ist Bestandteil des Jinwali Wasserkraftwerkes. Von Bodorna fließt ein Teil des Wassers zurück in den Aragwi und ein großer Teil wird durch einen 42 Kilometer langen Tunnel zur Trinkwasserversorgung nach Tbilisi geleitet.

Auf Folgende Reise besuchen Sie Jinwali:

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