Höhlenstadt Wardsia

Höhlenstadt Wardsia ist ein absolutes Highlight einer Georgienreise. Die riesige, in den Felsen gehauene Anlage erstreckt sich auf mehrere Etagen und umfasst Tunnel, Wohnungen, Werkstätte, Bäckereien, Refektorien, zahlreiche Weinkeller und Kirchen.

Wardsia wurde über mehrere Jahrzehnte von Königin Tamara und ihrem Vater Giorgi III gebaut und ist ein Wahrzeichen des Goldenen Zeitalters Georgiens.

Der Name

Der Legende nach, besuchte Königin Tamara als kleines Kind mit ihrem Onkel zusammen die Umgebung der zukünftigen Höhlenstadt Wardsia. Wie Kinder so sind, hat sie sich in den Höhlen vor ihrem Onkel versteckt, der  verzweifelt nach ihr gesucht hat. Irgendwann hörte er Tamaras Stimme „Ak War Dzia!“ was auf Deutsch heißt „Hier bin ich, Onkel!“.  

Später, als diese grandiose Anlage in Betrieb genommen wurde, hat man sie nach dem Kindheitserlebnis von Königin Tamara „Wardsia“ genannt.

Architektur und allgemeine Angaben zu Wardsia

Der Hauptteil von Wardsia wurde zwischen 1156 und 1208 während der Regierungszeit von König Giorgi III. und seiner Tochter, Königin Tamara gebaut.

Die Höhlenstadt verfügt über einen symmetrischen und gut durchdachten Aufbau, mit der Maria Entschlafungskirche als zentralen Teil, der die gesamte Anlage in einen östlichen und einen westlichen Bereich teilt.  

Auf der westlichen Seite gibt es Höhlen auf 3 bis 7 Stockwerken und auf der östlichen Seite gibt es Aufbausysteme mit bis zu 13 Stockwerken. Insgesamt ist Wardsia 500 Meter lang und 100 Meter hoch. Die oberste Höhle der Anlage liegt auf 1.462 Höhenmetern über dem Meeresspiegel.

Die Höhlen sind in Sandsteinfelsen geschlagen und schauen nach Süden, dadurch bekommt die Anlage viel Tageslicht und Wärme.

Ursprünglich gab es in Wardsia ca. 3.000 Höhlen, die ungefähr 50.000 Menschen Unterkunft bieten konnten. Davon sind heute noch  641 Höhlen unterschiedlicher Größe und Form gut erhalten.

Die Höhlen von Wardsia bestanden aus 1 bis 4 Räumen und lagen teils auf zwei verbundenen Etagen. Im Innenraum der Höhlen gab es mehrere Wandnischen für Geschirr, Kerzen und Bettzeug. Die meisten Höhlen haben einen zusätzlichen Vorratsraum und einige haben einen Gebetsraum mit Altarnische.   

Wasserversorgung

Es gab mehrere Methoden die Stadt mit Wasser zu versorgen.

1. Es gab eine 3,5 Kilometer lange keramische Wasserleitung, die aus dem Dorf Oberes Wardsia in die Höhlenstadt führte. Durch diese Leitung konnten in 24 Stunden ungefähr 160.000 Liter Wasser in die Stadt geleitet werden, was gerade ausreichend war für ca. 50.000 Menschen. Als Speicher gab es in der Höhlenstadt mehrere Wasserreservoire mit einer Gesamtkapazität von ca. 600.000 Litern. 

2. Nördlich der Hauptkirche, quasi mitten im Berg, gibt es eine natürliche Quelle, an der das Wasser aus den Felsen sickert und in einem Bassin gespeichert wird. Das Volumen dieses Reservoirs beträgt 8 Kubikmeter. Die konstante Temperatur des Wassers liegt bei 11 Grad.

3. In Wardsia gab es außerdem mehrere Tunnel, von denen einer bis zum Fluss führt und im Belagerungsfall zur Versorgung der Stadt mit Flusswasser diente.

4. Schließlich wurde auch Regenwasser an den Außenwänden der Höhlenstadt gesammelt und in verschiedene Reservoire geleitet.

Weinkeller

In Wardsia gibt es 6 große und 22 kleine Weinkeller, in denen 235 Weinamphoren gefunden wurden, mit einer Gesamtkapazität von insgesamt 100.000 Litern.

Die Tunnel

Es gibt in Wardsia mehrere kleine und große Tunnel, wovon der kürzeste 16 Meter und der längste 220 Meter lang ist.

Die Kirchen

In Wardzia gibt es insgesamt 15 Höhlenkirchen , wovon zwei heutzutage in Betrieb sind: die Kirche von Ananauri im westlichen Teil der Anlage und die Hauptkirche geweiht der Entschlafung Mariä im zentralen Teil.

Ananauri Kirche von Wardsia

Die Kirche befindet sich im äußersten westlichen Teil der Anlage und stammt aus dem 10. bis 12. Jhd. Den Namen hat die Kirche von dem hier einst im 10. Jhd. existierenden Höhlendorf, Ananauri, dessen Hauptkirche sie war. 

Die Höhlenkirche Ananauri ist 2,2 x 4,5 Meter groß. Das Licht erreicht den Innenraum von Süden her durch  zwei schmale Öffnungen im Felsen. In die Kirche gelangt man durch den in den Felsen geschlagenen Vorraum (Eukterion, Gebetsraum).

Fresken von Ananauri

Sowohl die Kirche, als auch der Vorraum sind mit Fresken aus dem 13. bis 16. Jhd. bemalt. Die meisten davon haben eine griechische Beschriftung.

Oberhalb des Altars ist die Gottesmutter abgebildet, unterhalb der Freske ist die Entschlafung Mariä, sowie der hl. Nikolaus, Apostel Johannes, der hl. Basilius und Gregor von Nazianz dargestellt. Hier ist auch die Freske von Jesus Pantokrator zwischen den beiden Erzengeln zu finden.

Im zentralen Teil der Kirche sind die 12 Hauptfeste (Dodekaorton), sowie Erzengel, verschiedene weibliche Heilige und historische Personen abgebildet. Die Fresken der Hauptkirche stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Die Bemalung im Vorraum der Ananauri Kirche stammt hauptsächlich aus dem 13. Jahrhundert. Hier sind neben griechischen auch georgische Beschriftungen zu sehen, beispielsweise auf der östlichen Wand ist ein Satz aus einem Psalm angebracht: „Das sind die Tore Gottes und nur wahrhaft Gläubige kommen hindurch“.
Östlich kann man auch Deesis, Pfingsten, sowie Figuren von Quiricus und Julita herauserkennen.
Interessant ist auch die Szene, in der ein Engel einem Menschen in königlicher Tracht die Krone aufsetzt. Die Beschriftung der Szene ist nicht mehr zu erkennen, aber man geht davon aus, dass es sich bei der abgebildeten Person um Lascha-Giorgi, den Sohn von Königin Tamara handelt. 

Hauptkirche von Wardsia geweiht der Entschlafung Mariä

Breite: 8,2 m Länge 14,5 m und Höhe 9,2 Meter

Die in den Felsen geschlagene Hauptkirche von Wardsia stammt aus dem 12. Jhd. und befindet sich im zentralen Teil der Anlage. Sie wurde nach persönlichem Wunsch von Königin Tamara angelegt.

Fresken der Hauptkirche

Insgesamt gibt es in der Marienkirche 17 Kompositionen, von denen 14 Jesus, 3  der Gottesmutter und die weiteren den Stiftern der Kirche gewidmet sind.
Die Fresken wurden von Fürst Rati Surameli gestiftet und auch er ist auf der nördlichen Seite der Kirche abgebildet. Der Maler der Hauptkirche war ein Künstler mit dem Namen Giorgi und sein Name ist auf der östlichen Seite, unterhalb der Gottesmutter zu lesen.

Die Stifter der Kirche, Königin Tamara und ihr Vater Giorgi III. sind zusammen auf der nördlichen Seite, kurz vor dem Altar abgebildet. Beide Fresken haben georgische Beschriftungen: „Tochter vom König der Könige Giorgi, Tamar“ und „König der Könige des Ostens Giorgi, Sohn vom König der Könige Demetre“
Die Fresken der Hauptkirche wurden kurz nach dem Tod von Giorgi und noch vor der Heirat der Königin Tamara, zwischen 1184 und 1186 gemalt.

Geschichte von Wardsia

Der Anfang des Bauvorhabens der Höhlenstadt Wardsia geht auf König Giorgi III. ins 12. Jhd. zurück. In dieser Zeit haben sich kleine Überfälle aus die südlich von Georgien liegenden Gebiete gehäuft und der König entschloss, eine Wehranlage an einem strategisch günstigen Ort zu bauen.

Die Gründe, warum man sich für den Felsenberg oberhalb des Flusses Kura entschieden hat, waren folgende:

1. Es gab hier schon mehrere in den Felsen gehauene Höhlen und man hatte schon Erfahrung mit der Stabilität der Höhlen und auch wie man dort überleben kann.
2. Die Felseigenschaften waren optimal, um dort Höhlen auf Etagen zu bauen.
3. Die Größe des Felsenberges bot die Möglichkeit, dort eine weiträumige Anlage zu bauen
4. Und ein weiterer wichtiger Grund war die Existenz des Quellwassers im Felsen. 

Bauetappen der Anlage

Die erste Bauetappe von Wardsia ist mit der Regierungszeit von König Giorgi III. (1156-1184) verbunden.
Zu seiner Zeit hatte die Anlage nur eine strategische und militärische Funktion.

Die zweite Bauetappe waren die Jahre zwischen 1184 und 1186, kurz nach dem Tod von Giorgi III. und vor der Heirat Königin Tamaras. In dieser Zeit wurden mehrere Kirchen, darunter auch die Hauptkirche in den Felsen geschlagen und Wardsia hat zusätzlich die Funktion eines Klosters bekommen. 

Das Erdbeben von 1283 hat Wardsia stark beschädigt und die dritteBauetappe ist mit dem Fürst Beqa Dschakeli (1285-1306) verbunden. Er hat die vom Erdbeben beschädigte Anlage restauriert.

In der vierten Bauetappe wurde ein neues Refektorium durch Ivane Atabegi (1391-1444) gebaut und andere Höhlen restauriert.

Zerfall von Wardsia

Im Jahre 1551 fiel der Persische Schah Tahmasp I. in Georgien ein. Der Georgische König hat den Persern zwar enormen Widerstand in Wardsia geleistet, aber nach mehrtägigen Kämpfen, auch innerhalb der Anlage, ist Wardsia gefallen. Die Angreifer haben dabei die ganze Anlage, die Kirchen und die Bibliothek geplündert.  
Der persische Historiker, Hasan Beg Rumlu, der selbst bei der Einnahme von Wardsia dabei war, hat sehr viel über den Reichtum der Höhlenstadt geschrieben.  

1578 geriet Wardsia und die Umgebung der Höhlenstadt unter osmanische Herrschaft. Die Einheimischen haben ihre Häuser verlassen und die Geistlichen haben Zuflucht in anderen Regionen Georgiens gefunden. Wardsia, diese einst grandiose Anlage wurde zur Unterkunft für das osmanische Vieh und für deren Hirten und Schäfer.

Nach dem Russisch-Türkischen Krieg von 1828-29 hat Georgien die Höhlenstadt Wardsia und das umliegende Gebiet wieder zurückgewonnen. Es wurde nun allerdings, wie ganz Georgien, Teil des Russischen Zarenreiches.

Wiederaufbau

Zu Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Kloster von Wardsia restauriert und wieder geweiht, doch nachdem die Bolschewiki im Jahre 1921 an die Macht kamen, wurde das Kloster geschlossen.

In der Sowjetzeit wurde in Wardsia zunächst ein Pionierlager und ab 1938 ein Museum eingerichtet.

1954 hat der griechische Priester, Giorgi Popondupolo die Hauptkirche, sowie den Weg zur Kirche restauriert. Er hat eine einfache Ikonostase aus Holz gefertigt und konnte 1957 die Marienkirche einweihen, wo er über mehrere Jahre mit zwei weiteren Ministranten regelmäßig die Liturgien durchführen durfte.  

1989 hat der Georgische Patriarch Ilia II. das gesamte Kloster von Wardsia geweiht und seitdem wohnen hier wieder dauerhaft mehrere Mönche und Priester.

1993 hat man die Höhlenstadt für die Aufnahme als Weltkulturerbe beworben und 2007 wurde sie in die UNESCO Tentativliste aufgenommen.

Das Kloster von Wardsia ist momentan wieder im Betrieb und es wohnen dort mehrere Geistliche. Die Höhlenstadt selbst hat den Status eines Museums und kann jeden Tag von 10 bis 19 Uhr besichtigt werden.

Für die Besichtigung sollte man schwindelfrei und in allgemein gutem physischem Zustand sein.

Auf Folgende Reise besuchen Sie Wardsia:

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